9 Monate luniq – ein Erfahrungsbericht von Kevin

Bereits neun Monate ist es nun her, seit ich beim Verein luniq mit meinem Engagement beginnen durfte. Heute sitze ich hier und blicke zurück. Unglaublich, was in dieser kurzen Zeit alles passiert ist. Ich stelle aber auch mit Ernüchterung fest, dass noch vieles passieren muss, damit ALLE Menschen mit Behinderung so wohnen können, wie dies die UN-BRK vorsieht. Ich kann wohnen, mit wem, wo und wie ich will. Ein einfacher Satz, über den sich viele Menschen keine grossen Gedanken machen müssen. Ein einfacher Satz, dessen Verwirklichung für Menschen mit Behinderung zu einer enormen Herausforderung werden kann. Damit diese komplexe Aufgabe bewältigt werden kann, unterstützen wir vom Verein luniq Menschen mit Behinderung auf dem Weg ins selbstbestimmte Wohnen. Der Weg zum Ziel ist von Mensch zu Mensch sehr individuell. Genauso individuell und flexibel soll unsere Unterstützungsleistung auf den jeweiligen Bedarf einer Person angepasst werden können. Wir bieten daher keine «Leistungspakete» an, sondern prüfen, was es braucht und wobei unser Fachwissen und unsere Erfahrungen weiterhelfen können. Gerne erzähle ich euch von einzelnen Erfahrungen mit solchen Unterstützungsleistungen, die ich in den letzten neun Monaten anbieten konnte.

Dass der Bereich der Finanzierung komplex ist, habe ich bereits im Studium festgestellt. Dass dieser aber in der Praxis noch viel komplexer ist, habe ich nun erfahren. Mit Recherchearbeiten, der Teilnahme an einer Weiterbildung und Gesprächen mit Fachpersonen aus dem Bereich der Sozialversicherungen konnte ich mir in den vergangenen Monaten viel zusätzliches Wissen aneignen. Vor allem im Bereich der Assistenzfinanzierung kenne ich nun die Angebote und habe wissenswerte Informationen dazu. Gibt es Bereiche, bei denen ich nicht weiterweiss, kann ich unsere Kontakte zu weiteren Fachpersonen nutzen oder allenfalls bei der Triage zu anderen Fachstellen weiterhelfen.

Wenn die Finanzierung geklärt ist und klar ist, wie viel Budget eine Person hat, können wir weitere konkrete Schritte planen. Beispielsweise habe ich mit einer Nutzenden anhand einer Wochenübersicht definieren können, wo fixe Termine stattfinden und wo passende Zeitfenster sind, um zusätzliche Unterstützungsleistungen fürs selbstbestimmte Wohnen zu erschliessen. Der Wochenplan dient als flexibles Werkzeug, welcher immer wieder auf die aktuelle Situation angepasst werden konnte. Die Dienstleistungen konnten nun gemeinsam Schritt für Schritt erschlossen werden. Wieviel der Verein luniq dabei unterstützt und wieviel auch Angehörige oder Bekannte aus dem sogenannten Unterstützer*innenkreis supporten, ist ebenfalls individuell und wird jeweils in Absprache definiert.

Wochenplan (fiktiv)

Einen Nutzenden begleitete ich bei der Erschliessung eines Assistenzteams. Da ich bereits als Assistenzperson gearbeitet habe, wusste ich ungefähr, was uns erwartet. Wir haben gemeinsam besprochen, was wir alles im Vorfeld erledigen müssen und wer für was verantwortlich ist. Luniq begleitete den Nutzenden beim Verfassen von Inseraten wie auch beim Vorbereiten und Durchführen von Vorstellungsgesprächen. Luniq konnte der Person bei der Erschliessung einer Assistenzperson verhelfen, die nun monatlich die ganze Lohnadministration übernimmt. Weiter hat der Verein Luniq zu Beginn die Teamkoordination übernommen, Arbeitspläne geschrieben etc. Heute konnte sich eine weitere Assistenzperson diese Kompetenzen aneignen und plant nun Dienste und koordiniert kurzfristige und langfristige Ausfälle im Team. Des Weiteren wurden weitere Assistenzpersonen eingestellt und in den Dienst eingeführt, die nun als Springer*innen bei Ausfällen respektive Abwesenheiten vom Team Dienste übernehmen können. Luniq unterstützte bei Gesprächen mit Spitexdiensten und auch bei der Lösungsfindung einer passenden Unterstützung in der Nacht. Luniq übernahm zudem Aufgaben im Bereich der Koordination mit Unterstützer*innen und war in engem Austausch mit dem Beistand, der parallel ebenfalls wichtige Abklärungen machte. Ebenfalls unterstützte luniq bei der Beschaffung von Hilfsmitteln, damit die Person in der Wohnung möglichst autonom und ihren Bedürfnissen entsprechend leben kann.

Es macht wirklich Freude zu beobachten und zu merken, dass die Stossrichtung, die die UN-BRK vorgibt, vermehrt an Beachtung gewinnt und vieles am Entstehen ist. Wie in der Vergangenheit schon oft erfahren, und auch dies ist eine wichtige Erkenntnis, braucht es nun Geduld und Vorreiter*innen, die sich diesem Thema widmen und sich dafür einsetzen. Ich bin gespannt, wann es soweit sein wird, dass wirklich ALLE Menschen wohnen können wie, mit wem und wo sie dies möchten.

Herzlicher Gruss,

Kevin Duss
luniq-Fachperson

Falls sie näher an unserem Projekt interessiert sind oder zur Umsetzung beitragen möchten, freuen wir uns, sie kennen zu lernen.